DER KLEINE NASCHBALKON

urban gardening in lecker.

...oder wie man aus ein paar Quadratmetern Beton ein Garten in luftiger Höhe zaubert.

 

Der Naschbalkon respektive der Balkon-Garten ist ein langfristiges Projekt und das Zaubern ist realistisch gesehen wohl eher ein Durchexperimentieren. Im Ausschlussverfahren stellt man fest, was nicht für Töpfe, das entsprechende Klima oder die Lichtverhältnisse gedacht ist. Vielleicht muss man ein bisschen verrückt sein - aber das hilft auch ungemein überraschende Erfolge zu haben;-)

Ich hab versucht einen kleinen Plan zu zeichnen - die Sonne geht übrigens zwischen der Stockrose (13) und dem Pfirsich (14) unter. Aktuell gedeihen auf dem kleinen botanischen Schlaraffenland

  1. Zinnwanne mit Kräutern

  2. Tomaten

  3. Rose(n)

  4. Johannisbeere rot

  5. Liebstöckel /Maggikraut

  6. Katzenminze

  7. Stachelbeeren dunkel

  8. Balkon-Himbeere

  9. Mexikanische Minigurken

10. Goijbeeren

11. Säulenapfelbaum

12. Schwarzer Holunder

13. Stockrose

14. Pfirsichsäulenbaum

15. Stangenbohnen

16. Weide

17. Zucchini

18. Rosenkohl

...zwischen Rosen, einer Weide, Insektenhotels, welche auf dem Plan mit den Bienensymbolen markiert sind und diversen Bienenweiden. Eigentlich wäre da noch eine Feige - leider hat sie jedoch den Umzug mitten in der Ruhephase nicht gut überstanden und streikt gerade. Und dies obwohl sie die letzten 3 Jahre lang üppig Feigen produziert hatte - sehr schade. In einer Ampel über 9 & 17 hängt noch die Bromberere. Die nicht nummerieren Töpfe sind weitere Kräuter und Bienenweiden.

balkonien.

Bei Balkongärten muss man etwas umdenken. Man pflanzt in Kübeln, Kästen, Trögen und Töpfen. Je nach der verfügbaren Fläche muss man diese gut einteilen und organisieren. Erstens damit die Pflanzen sich nicht gegenseitig den Platz und die Sonne streitig machen und zweitens damit man sinnvoll und ohne akrobatische Sondereinlagen die Pflanzen giessen und pflegen kann. 

 

Das Giessen generell sollte als Thema nicht vergessen werden. Ein Regenwasserfass auf dem Balkon kann schwierig werden. Platztechnisch und auch da viele Balkone gedeckt sind und Regen somit nicht eingefangen werden kann.

Leider mussten wir auch die Erfahrung machen, dass Pflanzen in Töpfen anfälliger für Mehltau und Blattläuse sind. In dem einem Jahr, wo ich Rosenkohl angepflanzt hatte, ist dieser zur Raupenfarm mutiert. Das ist mir im grossen Garten nie in dem Masse passiert, da die Nützlinge dort ungehinderten Zugang hatten. Igel und Eidechsen waren fleissig unterwegs - der Wind hat seinen Teil dazu getragen und mit vielen nützlichen "Beipflanzen" konnte ich mir einiges von den Beeten fernhalten, was bei Töpfen auf dem Balkon schwierig ist.

 

Was den auf Läuse anfälligen Holunder betrifft, habe ich ein Gegenmittel gefunden: Schnittknoblauch als Unterpflanzung und gut ist. Seither nie wieder ein Problem gehabt bei dem Holunder.

Eine weitere Stolperfalle für gärtnerischen Übermut ist die kalte Jahreszeit. Was muss eingepackt werden, in die Wohnung oder in den Keller? Was muss wann zurückgeschnitten werden und wie oft giesst man über den Winter? 

checkliste für einen balkongarten VOR der bepflanzung.

Balkongärten sind toll - aber bevor man sich einen anlegt, sollte man verschiedene Dinge beachten.

  • ein Balkongarten macht Arbeit - dabei sprechen wir nicht von 5 Minuten pro Tag - egal wie clever angelegt. Ihr werdet dabei sämtliche Launen durchleben. Von absolut eurphorisch, entspannt über gestresst bis hin zum Riesenfrust, weil auch ab und an was wirklich nicht klappen will - mein grösster Frust seit Jahren ist der Rosmarin - ich krieg den nie über die Runden, egal was ich mache. Aber ich geb nicht auf - eines Tages hab ich den Dreh raus!

  • weil die Pflanzen alle in Töpfen sind, benötigt das Giessen viel mehr Fingerspitzengefühl und an heissen Tagen bedeutet das jeden Morgen vor der Sonne (optimalerweise) zu giessen

  • man sollte einen "Stellvertreter" haben, wenn man durch die warmen Tage mal wegfährt - und dieser Stellvertreter sollte einen halbwegs grünen Daumen haben, wenn man nach der Abwesenheit nicht wieder von vorne beginnen möchte

  • für mich ist es "Frühsport", aber keinen Wasseranschluss auf dem Balkon zu haben für einen Schlauch heisst jeden Morgen an heissen Tagen 30 Giesskannen zu füllen und rauszutragen - das braucht viel Zeit

  • Je nach Vorhaben der Balkonbegrünung solltet ihr die Statik nicht ausser Betracht lassen - je nach Bauart des Hauses/Balkons

  • Bei Miete abklären, wie bunt ihr es treiben dürft zum Beispiel bezüglich Pflanzenkisten am Balkongeländer, Kletterhilfen etc.

  • Den Bodenbelag auf Eignung prüfen. Holzroste können je nachdem recht leiden und Rasenteppiche zwischen Teppich und Beton schimmeln etc.

  • Lage des Balkons anschauen. Sonnenstand durch den Tag beobachten und ob sich die Hitze so staut oder gewisse Ecken nie einen Sonnenstrahl abbekommen

  • Platzverhältnisse für Anzucht und Winterlager nicht vergessen

  • Pflanzenabstand - vergesst nicht, dass auch Pflanzen in Töpfen Abstand zu ihren Nachbarn benötigen. Nicht nur fürs Wachsen alleine, auch in Bezug auf Licht und falls Krankheiten oder Schädlinge am Werk sind

  • Platz für Nützlinge wie Wildbienen einberechnen. Die Tiere stören überhaupt nicht, sind weder aggro noch lästig. Sie helfen euch die Pflanzen zu bestäuben und sind zufrieden mit einem einfachen Insektenhotel, vielleicht einer kleinen Tränke und ein paar Bienenweidenpflanzen. Florfliegen und Marienkäfer anzulocken ist auch eine gute Idee bezüglich Läuse und anderen Plagen

  • Als Mieter sollte man einen etwaigen Umzug nie aus den Augen verlieren. Sprich richtig schwere Töpfe und Tröge müssen transportiert und Installationsspuren wie Bohrlöcher für Ampeln, Kletterhilfen etc. repariert werden.

starterkit - der pflanzplan.

Wenn Ihr euch über die Platz- und Sonnenverhältnisse etc. im Klaren seid, gehts an die Planung - ich weiss... die ist immer zum missachten da, aber zum Setzen von Leitplanken ist sie trotzdem gut ;-) Mein Tipp: "think big, start small". Der Balkon muss nicht gleich nach dem ersten Einkauf im Gartencenter aus allen Nähten platzen.

 

  • Schaut beim Kauf darauf, dass die Pfanzenansprüche den Gegebenheiten bei euch auf dem Balkon entsprechen (Licht-, Wasser-, Platzbedarf, usw.)

  • Kauft als Erstes möglichst einfache und anspruchslose Pflanzen

  • Achtet darauf, dass die Pflanzen möglichst resistent sind (z.B. gegen Mehltau)

  • Beginnt mit einheimischen, winterharten und mehrjährigen Pflanzen - die benötigen langfristig einen festen Platz auf dem Balkon - danach könnt ihr mit dem Rest auffüllen

  • Beachtet den Pflanzenwuchs und die -Grösse - sehr auslandende und hoch wachsende Pflanzen haben nur bedingt Platz auf einem Balkon

  • Achtung! Achtet bei der Pflanzenwahl auf die Befruchtung (Selbstbefruchter, männliche/weibliche Pflanze, ggf. nötige Befruchterpflanze) - vergesst dabei nicht, euch in der Nachbarschaft umzuschauen - vielleicht steht da bereits eine "helfende Pflanze"

  • Vergesst das Insektenhotel nicht 

  • Achtet bei der Wahl von Bienenweiden darauf, dass ihr die ganze aktive Gartensaison was Blühendes für eure kleinen Helfer habt.

Viel Spass und Erfolg mit eurem Naschbalkon! Lasst euch nicht entmutigen, wenn mal was nicht klappt - freut euch an dem, was funktioniert und lernt aus dem Rest.

Ich werde diese Seite hier langsam mit Erfahrungen und weiteren Tipps auffüllen. Je nachdem wie ich dazu Zeit habe und was ich selber dazugelernt habe;-) Schaut ab und an mal vorbei und vielleicht findet ihr dann noch den einen oder anderen Garden-Hack, den ihr noch nicht gekannt habt. 

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